Die Franzosen konsumieren fünfmal so viele Benzodiazepine wie die Briten oder Deutschen, oft ohne sich der erheblichen Nebenwirkungen bewusst zu sein. Ein Drittel der Verschreibungen wäre vermeidbar. Diese Medikamente, wie beispielsweise Xanax, Lexomil und Temesta, sollten nur kurzfristig eingenommen werden, mahnt die ANSM (Französische Arzneimittelbehörde), die eine Aufklärungskampagne startet.
Frankreich ist nach Spanien der zweitgrößte Benzodiazepin-Konsument in Europa. Obwohl diese Medikamente hilfreich sind, bergen sie Risiken wie Schläfrigkeit, Abhängigkeit, Gedächtnisprobleme und Stürze, insbesondere bei älteren Menschen. Sie sind zudem an zahlreichen Verkehrsunfällen beteiligt.
Fast 40 % der Patienten erhalten Rezepte, die zu lang sind und die empfohlene Behandlungsdauer überschreiten: 12 Wochen bei Angstzuständen und 3 Wochen bei Schlaflosigkeit. Die französische Arzneimittelbehörde ANSM warnt zudem vor einem zunehmenden Medikamentenkonsum unter Jugendlichen. Zwischen 2017 und 2023 stieg die Zahl der Verschreibungen für unter 19-Jährige um 25 %. Auch der Missbrauch zu Freizeitzwecken gibt Anlass zur Sorge.
Um junge Menschen zu sensibilisieren, arbeitet die ANSM mit Influencern auf TikTok und Instagram zusammen und wirbt für Alternativen wie Yoga und Meditation. Hausärzte werden dazu angehalten, die Ursachen von Beschwerden zu behandeln und die Verschreibungshäufigkeit zu reduzieren. Die französische Krankenversicherung schätzt, dass durch eine optimierte Medikamentennutzung jährlich 30 Millionen Euro eingespart werden könnten.
Sophie de Duiéry
|