Eine amerikanische Studie mit 18.000 Geburten deutet darauf hin, dass eine Covid-19-Infektion während der Schwangerschaft das Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen erhöhen könnte: 16,3 % der infizierten Kinder erhielten vor dem dritten Lebensjahr eine Diagnose, verglichen mit 9,7 % der nicht infizierten Kinder. Das Risiko scheint bei Jungen höher zu sein und wenn die Infektion im dritten Trimester auftritt.
Die Forscher betonen, dass es sich hierbei um einen Zusammenhang und nicht um einen Kausalzusammenhang handelt und dass zahlreiche soziale und medizinische Faktoren eine Rolle spielen. Selbst nach Berücksichtigung dieser Faktoren bleibt die Infektion im Mutterleib mit einem um 29 % erhöhten Risiko verbunden, was mit anderen Studien zu mütterlichen Infektionen übereinstimmt.
Der wahrscheinlichste Mechanismus ist die Aktivierung des mütterlichen Immunsystems, die die Bildung von Gehirnschaltkreisen stören kann, anstatt einer direkten Infektion des Fötus. Das dritte Trimester, eine Schlüsselphase für die synaptische Entwicklung, könnte besonders anfällig sein.
Experten mahnen jedoch zur Vorsicht: Die meisten der untersuchten Infektionen traten in diesem Zeitraum auf, was die Ergebnisse verfälschen könnte, und das erhöhte Risiko bei Jungen muss noch bestätigt werden. Sie weisen außerdem darauf hin, dass diese Daten vor der Einführung von Impfungen und der Entwicklung einer Herdenimmunität erhoben wurden, wodurch das Risiko heute möglicherweise geringer ausfällt.
Vor allem aber eröffnet die Studie neue Forschungsansätze zum Einfluss von Infektionen während der Schwangerschaft auf die Gehirnentwicklung.
Sophie de Duiéry
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